Der alte Mühlstein – ein Relikt aus längst vergangenen Tagen

 

Im Juli dieses Jahres schlugen Bürgermeister Hans Vollrath und die Bewohner der Mühlgasse in Andisleben vor, diesen Mühlstein (Foto) – sein Alter ist unbekannt – dekorativ aufzustellen.

Schnell war der passende Platz gefunden; denn wo es zur einstigen Mühle geht, wird die Straße „Mühlgasse“ genannt. Hier rückten die Mitarbeiter der Gemeinde mit dem Hebekran an und stellten den Stein so auf, dass er für Bewohner und Gäste des Dorfes gut sichtbar ist. Mit uralten Pflastersteinen aus dem Mühlenhof wurde er eingemauert.

Hierbei half Dr. Erhard Schäfer aktiv mit und sorgte für eine sichere Befestigung. Der letzte Müllermeister von Andisleben, Karl Haselbauer (91, Foto), gab seiner Freude Ausdruck und unterstützte dieses Vorhaben. Aus seinen Erzählungen wissen wir: Der hier zu sehende Stein besteht aus Sandstein, der im Ganzen gebrochen und gerundet wurde. Dieser sogenannte „Läufer“ drehte sich über einem fest stehenden gleich großen Stein, dem „Bodenstein“. Dazwischen wurde das Getreide zerkleinert, das heißt zu Mehl oder Schrot gemahlen.

 Landwirte und Mühlenbesitzer arbeiteten zusammen. Manch einer von ihnen ruht im alten Kirchhof nebenan und hat mit Fleiß und harter Arbeit sein Korn angebaut, geerntet und mit dem Handwagen oder dem Pferdefuhrwerk zur Dorfmühle gefahren. Eine gute Kornernte bedeutete gutes Mehl und ergab das „tägliche Brot“. Damit verband sich stets auch die Notwendigkeit, den Wasserlauf der Mühle zu stabilisieren, die Gebäude zu erhalten und zu sanieren. Auch die Reinigung des Flussbettes war alljährlich unumgänglich, denn ohne Wasser dreht sich kein Mühlrad.

 

Die folgende Übersicht gibt Auskunft über Besitzer und Arbeiten in der Andislebener Mühle:

 

1729

Als Mahlmühle (mit zwei Gängen) erstmals erwähnt
Besitzer: Müller Köttig

1835

Bau des Wehrs zwischen Andisleben und Walschleben

1850

Erneuerung des Wehrs, Ausgrabung des Sühnepfahls
Müller: Jonas Vollrath

1853

Neubau des Schulgebäudes (Hausnummer 109) durch Karl Rudolf

1872

Neuer Besitzer: Müller Karl Döpping

1894

Regulierung der Wilden Gera

1907

Kauf der Mühle durch die Gebrüder Karl und Franz Bärwolff

1920

Umbau des alten Schulgebäudes (Hausnummer 109) zu Stall und Wagenremise sowie Neubau des Pferdestalls durch Karl und Franz Bärwolff

1925

Entfernung des hölzernen Wasserrades und Einbau einer damals hochmodernen „Franzis“-Turbine

Mit der Wasserkraft der Mahlgera wurden die Mühle sowie Kreissäge, Dresch- und Futtermaschinen betrieben

1949

Übernahme des Mühlenbetriebes durch Müllermeister Karl Haselbauer

1963

Eintritt in die Landwirtschaftliche Prduktionsgenossenschaft (LPG)

1975

Ende des Mühlenbetriebes

 

Heute kaufen wir unser Mehl im Supermarkt – hergestellt in vollautomatischen hochmodernen Mühlenbetrieben; das Brot kommt häufig aus Großbäckereien. Vieles ist einfacher geworden, aber nicht unbedingt schmackhafter und nährreicher. Also wollen wir dem alten, gut erhaltenen Mühlstein mit Achtung und Ehrfurcht begegnen, ihn pflegen und erhalten für die Generationen, die nicht mehr erleben, wie er funktionierte und wie wichtig er für die Ernährung von Mensch und Tier einst war.

 

Rita Schäfer